Heinz Schütz sen.
19.02.1932 - 29.01.2004
Sommeranfang

Ich schritt durchs wogende Ährenfeld
auf der Suche nach einem Fleckchen heiler Welt
wo noch blühen und duften die Kornblumen blau
der Klatschmohn sich wiegt im Lüflein lau

Ich suchte vergebens, schaute weit übers Land
keine blühende Pracht mein Auge fand
nur zum fernen Wegrand schaute ich immerzu hin
wo Farbtupfer erweckten meinen wachen Sinn

darauf schritt ich eiligst mit weitgreifenden Schritten
zum fernen Ziele durch der Felder mitten
Die Ähren des Weizens meine Beine schwärzten
dich ich spürte keine Anstrengung, keine Glieder schmerzten

Ich kannte mein Ziel, kam ihm immer näher
in den Baumkronen warnte der Eichelhäher
das jubelnde tirilieren der gefliederten Musikanten
die sich schwirrend und flatternd in den Büschen einfanden

die Sträucher blühten mit berauschendem Duft
ich brauchte keine Karte, keinen Kreiselkompass
das duften und blühen, das zwitschern im Feld
das führte mich hin in die heile Welt

Die am Wegrand zwar nur, bei Ginster und Schlehen
von ferne meine Augen freudig gesehen
der blühende Klatschmohn, die Kornblumen blau
die Heckenröschen, der Fuchs in seinem Bau

die wilde Brombeere, auch die Tollkirsche rot
beim genießen bringt sie leicht den Tod
die Margaretenblumen, schneeweiß und fein
haben hier auch ihr wildes  Zusammensein

hier schien mir alles zusammen geschützt
was dem Auge, der Seele, dem Geiste nützt
was die Menschen erfreut auf Gottes weiter Flur
man findet es fast am Wegrande mehr nur

Dem Erzeuger, dem werden die Preise dedrückt
bis der Rücken krumm, der Gang gebückt
denn ohne spritzen seiner wogenden Frucht
wäre sein Schicksal besiegelt, sein Leben verflucht.

Ein Beruf, der Millionen einst ernährt
ist von der Jugend heute nicht mehr begehrt
knapp 40 Stunden und ein schneller Gewinn
dies haben die meisten heute im Sinn.

Wenn ein Land seine Erzeuger lange knechtet
so hat es sich auf Dauer selbst entrechtet.

22.06.1983

 
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© by Emil Niehusmann Jan. 2006