| Sommeranfang
Ich schritt durchs wogende Ährenfeld
auf der Suche nach einem Fleckchen heiler
Welt
wo noch blühen und duften die Kornblumen
blau
der Klatschmohn sich wiegt im Lüflein
lau
Ich suchte vergebens, schaute weit übers
Land
keine blühende Pracht mein Auge fand
nur zum fernen Wegrand schaute ich immerzu
hin
wo Farbtupfer erweckten meinen wachen
Sinn
darauf schritt ich eiligst mit weitgreifenden
Schritten
zum fernen Ziele durch der Felder mitten
Die Ähren des Weizens meine Beine
schwärzten
dich ich spürte keine Anstrengung,
keine Glieder schmerzten
Ich kannte mein Ziel, kam ihm immer näher
in den Baumkronen warnte der Eichelhäher
das jubelnde tirilieren der gefliederten
Musikanten
die sich schwirrend und flatternd in den
Büschen einfanden
die Sträucher blühten mit berauschendem
Duft
ich brauchte keine Karte, keinen Kreiselkompass
das duften und blühen, das zwitschern
im Feld
das führte mich hin in die heile
Welt
Die am Wegrand zwar nur, bei Ginster und
Schlehen
von ferne meine Augen freudig gesehen
der blühende Klatschmohn, die Kornblumen
blau
die Heckenröschen, der Fuchs in seinem
Bau
die wilde Brombeere, auch die Tollkirsche
rot
beim genießen bringt sie leicht
den Tod
die Margaretenblumen, schneeweiß
und fein
haben hier auch ihr wildes Zusammensein
hier schien mir alles zusammen geschützt
was dem Auge, der Seele, dem Geiste nützt
was die Menschen erfreut auf Gottes weiter
Flur
man findet es fast am Wegrande mehr nur
Dem Erzeuger, dem werden die Preise dedrückt
bis der Rücken krumm, der Gang gebückt
denn ohne spritzen seiner wogenden Frucht
wäre sein Schicksal besiegelt, sein
Leben verflucht.
Ein Beruf, der Millionen einst ernährt
ist von der Jugend heute nicht mehr begehrt
knapp 40 Stunden und ein schneller Gewinn
dies haben die meisten heute im Sinn.
Wenn ein Land seine Erzeuger lange knechtet
so hat es sich auf Dauer selbst entrechtet.
22.06.1983
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