Heinz Schütz sen.
19.02.1932 - 29.01.2004
Steilhangwinzer, ein hartes Brot

Frühmorgens, wenn die Sonne aufgeht
der Hahn, der hat schon lang gekräht
der Winzer schaut zum Fenster hinaus
wie sieht das Wetter draußen aus?

Ein kräftiges Frühstück nimmt er ein
er Zapft für den Tag seinen stärksten Wein
seine Frau und er sind nun bereit
zu fahren in den Weinberg, der Weg ist weit

Um die Kinder, wenn sie noch sind klein
kümmert sich die Oma im trauten Heim
wenn zwei Generationen im Haus vereint
viel öfter dort die Sinne scheint.

Wenn Oma und Opa noch geländegängig sind
dann eilen die beide auch geschwind
in die Weinberge hinaus, die steil und schroffend
auf einen sehr guten Jahrgang hoffend.

Dann, nach des Tages Arbeit Last
brauchen alle ihre verdiente Rast
denn wenn die Arbeit gut aufgeteilt
es keinem doch zu viel erscheint.

Wenn dann die Kinder größer sind
so eilen sie bereits geschwind
zur Schule, um zu lernen dort
was man im Leben braucht hinfort.

Kommen sie des Mittags dann nach Haus
die Oma teilt das Essen aus
die Eltern schon wieder im Weinberg sind
die Kinder eilen, um zu helfen geschwind.

Denn jede Hand wird dort gebraucht
die Arbeit im Berge ganz schön schlaucht
die fremde Hilfe ist zu teuer
sie schmälert sehr die Ernte in der Scheuer.

Die in diesem Jahr ganz gut geraten
die Trauben in der Sonne reif gebraten
gekeltert zu einem köstlichen Wein
dies sollte doch die Regel sein.

Doch nicht immer wird man so belohnt
obwohl man sich doch gar nicht schont
bei der Arbeit rastlos im steilen Hang
von früh bis spät, ein Leben lang.

Mal ist der WInter bitter kalt
die Augen erfrieren im Rebenwald
ein anderes Mal der Maifrost macht
die zarten Triebe über Nacht

zu welken, dorren, trocknen Trieben
mit Zorn und Gram erfüllt die Lieben
doch Müh und Arbeit weiter geht
daß fürs nächste Jahr der Rebstock trägt

einen guten Wein, voll Sonnenschein
der Frohsinn bringt in die Herzen ein
der Freunde spendet und Lebensmut
beflügelt auch der Menschen Blut

Wenn er in froher Runde gezecht
so ein Rieslingtröpfchen ist doch echt
ein ganz besonderer Edelstein
die funkelnde Krönung von Moselwein.

Doch weit ist der Weg zu einem solchen Tropfen
der Winzer Herzen schneller klopfen
wenn sie im steilen Berg sich mühn
eh im Juni dann die Trauben blühn

Es wird gehackt, geschnitten und gebunden
die Menschen werden arg geschunden
wenn sie sich quälen im steilen Hang
von früh bis spät, ein Leben lang

Die SOnne wird herbeigesehnt
wenn man auch in der Hitze stöhnt
die des Mittags flimmert im Rebengrün
und am klaren Himmel die Vögel ziehn

stark schwitzend ruht man dann sich aus
man schaut ganz weit ins Tal hinaus
wo drunten auf dem glitzernden Band
der Mosel, ein Schiff die Schleuse fand

wo es geruhsam nun nach oben schwimmt
gelassen, majestätisch und doch bestimmt
zum fernen Ziel in fernen Landen
wo viele auch ihr Glück schon fanden

Die Sehnsucht nach Urlaub schleicht sich dann ein
man möchte schon gerne auf dem Schiffe sein
das zu unseren Nachbarn am Moselstrand
hinfährt zum fremden Fanzosenland

Doch im Sommer ist dazu keine Zeit
wir müssen allzeit sein bereit
zu hacken und zu pflügen, zu binden und spritzen
wenn wir auch noch so erbarmungslos schwitzen

denn soll der Wein gut geraten sein
so geht man den ganzen Sommer in den Weinberg hinein
wo auf dem Schiefer am Tage die SOnne strahlt
daß des Nachts die Wärme zurück wieder prallt

Nur dann wachsen die Trauben von höchster Güte
nur dann verläuft gut der Trauen Blüte
nur dann wird eingefangen der SOnnenschein
und verzaubert die Trauben zu köstlichen Wein

Nur dann herrscht im Rale keine Not
nur dann stimmt die Kasse, das tägliche Brot
nur dann bekommt der Winzer für seinen Wein
den Preis für die Hitze im Sonnenschein

Für die Arbeit im WInter, ein hartes Los
zu brechen Steine aus des Berges Schoß
zu schneiden Reben, wenn der Frost noch klirrt
zu heften die Triebe, wenn die Hitze flirrt
zu binden die Reben, wenn der April ist naßkalt
und das Fluchen der Menschen in die Täler schallt

Wenn beim Graben der Rücken gebeugt und krumm
die Lippen werden dann langsam stumm
doch fröhliches Lachen auch erklingt
und froh man heimische Lieder singt

wenn die Traubenleese endlich hat begonnen
die Trauben voll von tausend Sonnen
wenn geerntet wird der köstliche Wein
der Riesling, als eingefangener Sonnenschein!

Dann ist vergessen doch manche Not
Doch:

Steilhangwinzer, ein hartes Brot

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© by Emil Niehusmann Feb. 2006