Heinz Schütz sen.
19.02.1932 - 29.01.2004
Die Großbachmühle

Im Großbachtal eine Mühle steht
schon jahrelang sich kein Rad mehr dreht
unsere Urgroßväter würden sich im Grab umdrehen
würden sie die baufällige Mühle sehen

was sie geschaffen mit ihrem Fleiß
im Sommer, wenn die Sonne heiß
sie schwitzten, wenn sie Stein um Stein
die Mühle schufen, im Angesicht der Trauben fein

die im Ungsberg reifen, im Schiefer heiß
unter der Pflege der Winzerfamilien mit Fleiß
ihre Frauen mühten sich im steilen Hang
die Männer erbauten die Mühle, kraftvoll doch bang

denn nur bei guter Ernte mit Sonnenschein
strömt Geld auch in den Ort hinein
zu zahlen die Handwerker, das tägliche Brot
damit die Familien nicht leiden Not

Die Mühle wurde vollendet unter Entbehrungen doch stolz
mit mächtigen Balken aus Eichenholz
mit Schiefer gedeckt, aus heimischen Stein
aus der Tiefe des Berges holte man ihn heim

daß er nun das stolze Gebäude schützt
vor Regen und Sturm, vor Gewitter wenn es blitzt
auch die Mauern aus heimischen Schiefergestein
geben Sicherheit und Geborgenheit, spiegeln sich wieder im Wein

der nun beim Richtfest im Becher blinkt
derweil man weinfrohe Lieder singt
denn nach Monaten Mühe, Last und Schweiß
ist die heutige Feier der gerechte Preis

für den gemeinsamen Geist, der zu großem beflügelt
mit dem Richtspruch des Meisters wird das Werk besiegelt
der droben auf dem First beim Richtkranz trohnt
der Gott auch dankt, daß die Mühe lohnt

alsdann bekommt das Wasser seinen freien Lauf
mit mächtigem Rauschen stürzt es aufs Mühlrad drauf
in große Schaufeln, die neu noch blinken
und ehrfurchtsvoll viele zur Erde sinken.

Sie danken Gott, daß das Werk vollbracht
es wurde wirklich Großes geschafft
wenn man gemeinsam fest zusammensteht
darf man stolz zusehen, wie das Rad sich dreht

das aus heimischer Eiche zusammengefügt
zu konstvollem Werk gedübelt und verfügt
gelagert auf mächtigen Blöcken aus Stein
es dreht sich das Rad, stoßet an mit Wein

Gebändigt ist des Wassers Kraft
das Mühlrad sich dreht, es für uns geschafft
es mahlt unser Korn zum täglichen Brot
die Familien leiden keine Not

Es schrotet den Hafer, rollt die Gerste aus
das Vieh braucht nicht zu darben, es ist Wohlstand im Haus
es spendet Lebensqualität und Freiheit dazu
und rumpelt und poltert arbeiten die Mühlsteine im Nu.

Human wird die Kraft der Natur genützt
die Umwelt geschont, gehegt und geschützt
die Forelle schwimmt im Mühlenteich, der sauber und klar
wer Durst hatte, trank daraus, es schmeckte wunderbar.

Doch es kamen auch Kriege, Jahre der Not
mit großem Leiden, es wurde knapp das Brot
gar mancher im Felde sein Leben ließ
auf Kaisers Geheiß, es war gewiß nicht süß

zu töten die Menschen, die einem nichts getan
dem Gegner ging es genau so, auch ihn trieb voran
der Befehl seines Herrschers, der weit und fern
große Pläne machte am Stabstisch mit seinen Herren.

Das Volk, das wird doch nicht gefragt
wenn man es hinaus zum töten jagt
auchheute wieder rüsten im Osten und Westen
als wäre nie vorher so viel Elend gewesen

Doch auch die Kriege hat die Mühle überlebt
hat auch im Donner der Granaten die Erde gebebt
erst in friedlicher Zeit, ohne hunger und Not
als in die Mülltonnen flog das verschmähte Brot

obwohl Millionen hungern in aller Welt
die zum allernötigsten keinen Pfennig Geld
da ging es dreckig ihr hier im Tal
von Dornem umwuchert, der Weg wurde schmal

der zum Eingang führte, der schief und krumm
der Schiefer hing lose auf dem Dach herum
es regnete durch, das Dach fiel ein
es nistete sich Ungeziefer ein

Das war der Dank für das jahrzehntelange Schaffen
gar mancher tat sie auch mitleidig begaffen
viele wollten sie kaufen, doch sie war nicht feil
so verfiel sie immer mehr, stürzte teilweise ein.

Es ist wie im Leben, "Bist du geraten in Not"
so gehen tausend Freunde auf ein Lot
ja, so sind deine "Freunde" plötzlich alle tot
man bekommt noch nicht mal ein Gnadenbrot

Die Gemeinde brauchte viel Geld zu anderen Dingen
die wollen ebenfalls hier auch nicht gelingen
ob Schwimmbad, oder Campingplatz  hier sollten sein
eine halbe Million wird wohl flöten sein

Und doch haben Menschen mit der Mühle Erbarmen
es sind keine Reichen, es sind keine Armen
es sind einfach Bürger wie Du und Ich
mit viel Idealismus, man glaubt es nicht.

Sie fanden sich zusammen und packten es an
ob weiblich oder männlich, jeder steht seinen Mann
doch viele Hürden sind zu bezwingen
soll das gesetzte Ziel recht bald gelingen

das sich das Rad dovh wieder dreht
gar mancher es immer noch nicht versteht
daß verschiedene Menschen, ob älter oder jung
es gemeinsam schaffen, mit Idealismus und Schwung

Es wurde lange darüber diskutiert
wir wurden heftig auch diffamiert
es wurde mit Bagger und Raupe gedroht
doch nun sind wir Partner, ob es sich lohnt

Was du ererbst von Deinen Vätern, erwirb es um es zu besitzen!
Diese Lebensweisheit hoff ich , wird uns Allen nützen!
Die Zeit heilt Wunden, drum packen wir es an
Daß beim neuen Richtfest stoßen wir mit Freuden an!

09.08.1983

 
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© by Emil Niehusmann Feb. 2006