Der Mühlentag in der alten Zeit
mit deftigen Ausdrücken von damals
Am Freitag haben wir Mühlentag
ihr lieben Leut, das ist eine Plag
frühmorgens, eh die Sonne aufgeht
man beizeiten schon in der Scheune steht
Man füttert die Kühe, Hühner
und das Schwein
und trinkt den ersten Branntewein
zum Zähneputzen ist er gut
er wärmt die Glieder, verdünnt
das Blut
dann wird gefrühstückt, welch
Genuß
die liebe Frau bekommt einen Kuß
doch welch ein Graus und großer
Schreck
sie jagd einen vom warmen Bette weg
Mein lieber Mann, du bist ein Schwein
frühmorgens stinkst du schon nach
Branntewein
Ach liebe Frau, das muß heut sein
ich zapf auch gleich ein paar Krüge
Wein
In der Mühle braucht man große
Kraft
da hilft Branntewein und Rebensaft
dazu Brot und Schinken, eine Gottesgabe
damit man öfter sich daran labe
Einen Kanten Brot mit fettem Speck
als zweites Frühstück heute
schmeckt
eine Zwiebel und etwas Knoblauch
schafft Ordnung auch in meinem Bauch
gibt Arbeitsfreude und auch Luft
der Mühlenkater flieht vor solchem
Duft
er sträubt die Haare und er knurrt
doch nach einem Ende Wurst er wieder schnurrt
Doch noch bin ich zu Hause und packe ein
Brot und Schinken, Krüge voll Wein
das Korn muß auf den Schmalspurwagen
die Säcke werden auf dem Buckel hingetragen
auch die Gerste folgt, sie wird gerollt
gar mancher beim Essen grollt
wenn er Schalenreste in den Zähnen
man spuckt sie auf die Dielen, läßt
jeden gewähren
Auch Weizenmehl braucht die liebe Mutter
zum Kuchen backen, ein köstliches
Futter
der Sonntagkuchen, der muß sein
genau wie für den Vater der gute
Wein
so wird der Wagen schwer beladen
noch ein Bündel Heu für der
Kuh ihren Magen
die im Geschirr wird angespannt
der Hofhund ist schon vor die Tür
gerannt
dort bellt er laut die Nachbarn wach
so ein Tier ist manchmal schon eine Plag
noch ein kräftiger Schluck aus der
Tresterflasch
daß man endlich Ruh hat im Arsch
Joh, sagt man zur Kuh, sie trottet an
ein Wagen voll Frucht, ein stolzer Mann
das wird zwei schwere schöne Tage
weg von der Mutter, der häuslichen
Plage
Zur Großbachmühle mit gemessenem
Schritt
der Hofhund läuft freudig bellend
mit
auch er freut sich auf Wiese und Wald
wo manchmal er auch Beute fand
einen kleinen Hasen frißt er gern
apportiert er nicht seinem Mühlenherrn
der Blutwurst und Speck in der Pfanne
brutzelt
die Kartoffeln sind schon arg verhutzelt
doch zuerst wird das Wasser angeschlagen
das nun rauschend fließt durch den
Mühlengraben
das Mühlrad achst und dreht sich
rund
es alles fließt, es summt und brummt
der Mahlgang, der wird eingelegt
der Mühlstein sich knirschend und
bedächtigt dreht
der Trichter wird voll Korn gefüllt
und am Fluppeskrug wird der Durst gestillt
noch ist es früh und die Vöglein
singen
bewegen im FLug die flotten Schwingen
sie fangen Ungeziefer und Fliegen
die sie im Fluge hurtig kriegen
der Mühlenkater frißt eine Maus
er machte schnell ihr den Garaus
der Hund, der schnüffelt in allen
Ecken
er hält keine Ruh, nicht zum Berrecken
auch selbst hat man genug zu tun
es ist wenig Zeit sich auszuruhn
der Tricher wird stets nachgefüllt
auch mit Glühwein wird der Durst
gestillt
Das Mehl wird sauber abgesackt
die Kleie für das Fieh in die Mehlstub
gepackt
der zweite Gang wird angestellt
fürs Haferschrot, das den Tieren
gefällt
Es gibt den Pferden Riesenkraft
wenn es vor dem Pflug die Arbeit schafft
gleichwohl dem Ochsen, der auch Wasser
sauft
ich bevorzuge den Wein, der nicht getauft
Mancher Müller hatte noch einen dritten
Gang
der hatte es ihm besonders angetan
der Gang zur Magd wurde er genannt
vom Nachbarn schmunzelnd anerkannt
die liebe Frau sah es gar nicht gern
die Seitensprünge ihres lieben Herren
doch in manchem Haus gabs ja einen Knecht
der ihr alles besorgtre, froh und recht
Doch in der Mühle die Arbeit weitergeht
das Mühlenrad sich klappernd dreht
zwei Gänge treibt es kräftig
an
das Wasser schäumt im Schßkanal
auch der Mühlengraben wird kontrolliert
damit kein Dammbruch hier passiert
dabei mit flinker, flotter Hand
manch Forelle man unter den Wurzeln fand
Das war eine leckere, knusprige Delikatesse
al la Müllerin gebacken, du meine
Fresse
der Kater bekam den Kopf und die Reste
es war für ihn ein Freudenfeste
Doch der Fisch muß schwimmen, Ihr
lieben Leute
so ein Mühlentag ist doch eine Freude
der Krug voll Wein kommt auf den Tisch
alsdann kann schwimmen der köstliche
Fisch
ein Prost dem Kater, ein Prost dem Hund
ein guter Wein hält uns gesund
ein Kanten Brot, ein Stück vom Speck
der Hund bekommt davon auch was weg
Die Kuh muß nun wieder gefüttert
werden
sie Brüllt schon mit ihren Darmbeschwerden
auch für sie ist heut ein guter Tag
das frisch eSchrot sie gerne mag
etwas Kleie wird schon im EImer angerührt
mit Bollmehl vom Weizen wird es garniert
im Reff ein Bündel duftendes Heu
erfreut sie immer stets aufs neu
so sind sie glücklich und zufrieden
der Mensch, die Tiere haben ihren
Frieden
behaglich der Kater hinterm Ofen schnurrt
der Hund beim träumen leise knurrt
Die Kuh wiederkäut ihr gutes Futter
der Müller schmiert aufs Brot ihre
gute Butter
der Kater hat von ihrer Milch geschleckt
dem Müller hat sie auch geschmeckt
auch er schläft für eine Weile
ein
er spürt auch langsam den vielen
Wein
doch zuerst wird das Tagwerk noch vollbracht
der Mühlstein für ihn heute
rumpelnd schafft
der Müller füllt die Säcke,
er stapelt sie auf
aus dem Schornstein kräuselt der
blaue Rauch
der Ofen glüht, die Scheite knistern
der WInd in den Sparren willihm was flüstern
das Mühlrad knarrt, das Wasser rauscht
es ist Leben in der Natur, wenn
man sie belauscht
die Dunkelheit kommt, senkt sich ins Tal
die Kontouren werden unscharf, sie werden
schmal
Der Müller stellt die Mühle ab
das Tagwerk, es ist vollbracht
der letzte Korken kommt vom Krug
der Müller bekommt heute nicht genug
bald ist er schwer ins Bett gesunken
er hat schwer geschafft und schwer getrunken
laut schnarchend schläft er tief
und fest
der Mühlentag war schön gewest
doch am nächsten Morgen, schon in
der Früh
spannt er die Kuh an, sagt hott und hüh
fährt er mit vollem Wagen er stolz
daher
auf den nächsten Mühlentag freut
er sich schon sehr!
24.01.1984
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