Heinz Schütz sen.
19.02.1932 - 29.01.2004
Der Mühlentag in der alten Zeit
mit deftigen Ausdrücken von damals

Am Freitag haben wir Mühlentag
ihr lieben Leut, das ist eine Plag
frühmorgens, eh die Sonne aufgeht
man beizeiten schon in der Scheune steht

Man füttert die Kühe, Hühner und das Schwein
und trinkt den ersten Branntewein
zum Zähneputzen ist er gut
er wärmt die Glieder, verdünnt das Blut

dann wird gefrühstückt, welch Genuß
die liebe Frau bekommt einen Kuß
doch welch ein Graus und großer Schreck
sie jagd einen vom warmen Bette weg

Mein lieber Mann, du bist ein Schwein
frühmorgens stinkst du schon nach Branntewein
Ach liebe Frau, das muß heut sein
ich zapf auch gleich ein paar Krüge Wein

In der Mühle braucht man große Kraft
da hilft Branntewein und Rebensaft
dazu Brot und Schinken, eine Gottesgabe
damit man öfter sich daran labe

Einen Kanten Brot mit fettem Speck
als zweites Frühstück heute schmeckt
eine Zwiebel und etwas Knoblauch
schafft Ordnung auch in meinem Bauch

gibt Arbeitsfreude und auch Luft
der Mühlenkater flieht vor solchem Duft
er sträubt die Haare und er knurrt
doch nach einem Ende Wurst er wieder schnurrt

Doch noch bin ich zu Hause und packe ein
Brot und Schinken, Krüge voll Wein
das Korn muß auf den Schmalspurwagen
die Säcke werden auf dem Buckel hingetragen

auch die Gerste folgt, sie wird gerollt
gar mancher beim Essen grollt
wenn er Schalenreste in den Zähnen
man spuckt sie auf die Dielen, läßt jeden gewähren

Auch Weizenmehl braucht die liebe Mutter
zum Kuchen backen, ein köstliches Futter
der Sonntagkuchen, der muß sein
genau wie für den Vater der gute Wein

so wird der Wagen schwer beladen
noch ein Bündel Heu für der Kuh ihren Magen
die im Geschirr wird angespannt
der Hofhund ist schon vor die Tür gerannt

dort bellt er laut die Nachbarn wach
so ein Tier ist manchmal schon eine Plag
noch ein kräftiger Schluck aus der Tresterflasch
daß man endlich Ruh hat im Arsch

Joh, sagt man zur Kuh, sie trottet an
ein Wagen voll Frucht, ein stolzer Mann
das wird zwei schwere schöne Tage
weg von der Mutter, der häuslichen Plage

Zur Großbachmühle mit gemessenem Schritt
der Hofhund läuft freudig bellend mit
auch er freut sich auf Wiese und Wald
wo manchmal er auch Beute fand

einen kleinen Hasen frißt er gern
apportiert er nicht seinem Mühlenherrn
der Blutwurst und Speck in der Pfanne brutzelt
die Kartoffeln sind schon arg verhutzelt

doch zuerst wird das Wasser angeschlagen
das nun rauschend fließt durch den Mühlengraben
das Mühlrad achst und dreht sich rund
es alles fließt, es summt und brummt

der Mahlgang, der wird eingelegt
der Mühlstein sich knirschend und bedächtigt dreht
der Trichter wird voll Korn gefüllt
und am Fluppeskrug wird der Durst gestillt

noch ist es früh und die Vöglein singen
bewegen im FLug die flotten Schwingen
sie fangen Ungeziefer und Fliegen
die sie im Fluge hurtig kriegen

der Mühlenkater frißt eine Maus
er machte schnell ihr den Garaus
der Hund, der schnüffelt in allen Ecken
er hält keine Ruh, nicht zum Berrecken

auch selbst hat man genug zu tun
es ist wenig Zeit sich auszuruhn
der Tricher wird stets nachgefüllt
auch mit Glühwein wird der Durst gestillt

Das Mehl wird sauber abgesackt
die Kleie für das Fieh in die Mehlstub gepackt
der zweite Gang wird angestellt
fürs Haferschrot, das den Tieren gefällt

Es gibt den Pferden Riesenkraft
wenn es vor dem Pflug die Arbeit schafft
gleichwohl dem Ochsen, der auch Wasser sauft
ich bevorzuge den Wein, der nicht getauft

Mancher Müller hatte noch einen dritten Gang
der hatte es ihm besonders angetan
der Gang zur Magd wurde er genannt
vom Nachbarn schmunzelnd anerkannt

die liebe Frau sah es gar nicht gern
die Seitensprünge ihres lieben Herren
doch in manchem Haus gabs ja einen Knecht
der ihr alles besorgtre, froh und recht

Doch in der Mühle die Arbeit weitergeht
das Mühlenrad sich klappernd dreht
zwei Gänge treibt es kräftig an
das Wasser schäumt im Schßkanal

auch der Mühlengraben wird kontrolliert
damit kein Dammbruch hier passiert
dabei mit flinker, flotter Hand
manch Forelle man unter den Wurzeln fand

Das war eine leckere, knusprige Delikatesse
al la Müllerin gebacken, du meine Fresse
der Kater bekam den Kopf und die Reste
es war für ihn ein Freudenfeste

Doch der Fisch muß schwimmen, Ihr lieben Leute
so ein Mühlentag ist doch eine Freude
der Krug voll Wein kommt auf den Tisch
alsdann kann schwimmen der köstliche Fisch

ein Prost dem Kater, ein Prost dem Hund
ein guter Wein hält uns gesund
ein Kanten Brot, ein Stück vom Speck
der Hund bekommt davon auch was weg

Die Kuh muß nun wieder gefüttert werden
sie Brüllt schon mit ihren Darmbeschwerden
auch für sie ist heut ein guter Tag
das frisch eSchrot sie gerne mag

etwas Kleie wird schon im EImer angerührt
mit Bollmehl vom Weizen wird es garniert
im Reff ein Bündel duftendes Heu
erfreut sie immer stets aufs neu

so sind sie glücklich und zufrieden
der Mensch, die  Tiere haben ihren Frieden
behaglich der Kater hinterm Ofen schnurrt
der Hund beim träumen leise knurrt

Die Kuh wiederkäut ihr gutes Futter
der Müller schmiert aufs Brot ihre gute Butter
der Kater hat von ihrer Milch geschleckt
dem Müller hat sie auch geschmeckt

auch er schläft für eine Weile ein
er spürt auch langsam den vielen Wein
doch zuerst wird das Tagwerk noch vollbracht
der Mühlstein für ihn heute rumpelnd schafft

der Müller füllt die Säcke, er stapelt sie auf
aus dem Schornstein kräuselt der blaue Rauch
der Ofen glüht, die Scheite knistern
der WInd in den Sparren willihm was flüstern

das Mühlrad knarrt, das Wasser rauscht
es ist Leben in der Natur,  wenn man sie belauscht
die Dunkelheit kommt, senkt sich ins Tal
die Kontouren werden unscharf, sie werden schmal

Der Müller stellt die Mühle ab
das Tagwerk, es ist vollbracht
der letzte Korken kommt vom Krug
der Müller bekommt heute nicht genug

bald ist er schwer ins Bett gesunken
er hat schwer geschafft und schwer getrunken
laut schnarchend schläft er tief und fest
der Mühlentag war schön gewest

doch am nächsten Morgen, schon in der Früh
spannt er die Kuh an, sagt hott und hüh
fährt er mit vollem Wagen er stolz daher 
auf den nächsten Mühlentag freut er sich schon sehr!

24.01.1984
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© by Emil Niehusmann Mar. 2006