Meine Gedanken anläßlich der
18. Bruderschaftstages der
Weinbruderschaft Mosel Saar Ruwer über
den 1984er Jahrgang
Licht und Schatten im Weinbau
Das Wetter im Herbst war wunderschön
man hätte können fröhlich
in die Weinberge gehen
doch die Gesichter der Winzer wruden lang
und länger
die Menschen wurden bang und bänger
nicht nur die Menge enttäuschte sehr
bei Prüfung der Qualitäten wurden
die Herzen schwer
die Prädikate des Jahrganges sind
äußerst rar
doch "Der Neue" als Jungwein schmeckt
trotzden wunderbar
Als Landwein oder als Tafelwein im Schoppen
getrunken
ist schon mancher schwer ins Bett gesunken
als Qualitätswein beim Riesling sollte
man in reigen lassen
ehe man ihn ausschenkt in Gläser
und Tassen
so fünf bis sechs Jahre im Flaschen
geruht
man wird erstaunt sein, wie gut es ihm
tut
denn es gibt keinen schlechten Riesling,
er wird nur zu früh getrunken
man sollte nicht früh die Nasen tunken
im geschliffenen Glas mit perlendem, funkelndem
Wein
gefüllt mit Riesling, dem eingefangenen
Sonnenschein
man trinkt halt zuerst die anderen Sorten
Müller Thurgau und Kerner, sie wachsen
auch in unseren Orten
oder man labt sich und genießt dien
älteren Wein
den 1982er und 1983er, der edel, fruchtig
und fein
der vollmundig und reif, voll edler Güte
so führen wir uns doch den erst zu
Gemüte
Ich wünsche Euch Allen Gesundheit
und Glück
bei der Behandlung des "Neuen" sehr viel
Geschick
denn wir sind ja von der Gesetzgebung
von allen verlassen
Enttäuschung, ja Wut in den Kellern
und Gassen
Wenn unserer Lobby in der Politik würde
mehr Geld zugeführt
dann liefe es dort vielleicht auch besser,
fast wie geschmiert
doch es wird wohl ein Flickwerk weiterhin
bleiben
und wir Winzer leben weiter in unsicheren
Zeiten!
17.11.1984
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