| Der Moselschiefer
Der Schiefer prägt unsere Heimat und
spendet Leben
wenn im Steilhang er verwittert und nährt
die Rieslingreben
er ist entstanden vor Millionen Jahren
als die Weiten der Ozeane hier verbreitet
waren
deren riesigen Wogen schufen Täler
und Berge
darinnen vielfältiges Leben, ob Riesen,
ob Zwerge
die Arten der Fische, der Echsen der Lurchen
die das Wasser durchschwammen, den Schlamm
durchfurchten
Ob Schildkröten, ob Seesterne, hier
konnten sie leben
im Sturmgebraus, oder wenn die See tat
beben
mit Urgewalt und mächtigem Tosen
es ist alles vorbei, es ist abgeflossen
Heute leben wir Menschen im Schieferhang
der schroff und steil, daß vielen
Angst und bang
wenn sie von den Höhen schauen weit
ins Tal
über schroffe Felsenhänge, scharf
und schmal
Der Schiefer prägt unsere Landschaft
und deren Gesicht
er ist zusammengepreßt unter Millionen
Tonnen Gewicht
verwittert im äußeren Teil
am Hang
von SOnne und Regen zermürbt, schafft
er neue Erde Jahrhundertelang
Doch in der Tiefe der Berge, weit hinaus
im Tal
hat er feste Strukturen, bietet er sich
an
den Menschen zum Bauen von Häusern
aus Stein
die hoch Hinaufragen, stolz und fein
Zum Decken der Dächer wird er aus
dem Berg befreit
und kunstvoll behauen seit uralter Zeit
er ist voller Geheimnisse, gibt sie uns
jedoch preis
wenn er wird gespallten unter Bächen
von Schweiß
von kunstvollen Händen, von kennenden
Augen
die in der Vergangenheit lesen und der
Wissenschaft taugen
denn darin ist versteinert so vielfältiges
Leben
das aus der Geschichte uns kann reichhaltige
Auskunft geben
Siler und Gold schlummern im Schiefergestein
auf den südlichen Hängen wächst
köstlicher Wein
der jahrtausende lang die Menschen erfreut
ein maßvoller Genuß hat niemals
gereut
Der Schiefer enthält Eisen, Kupfer
und Gold
seit der fernen Zeiten, als die Urmacht
gegrollt
die Landschaft verwandelte aus Meer zu
Stein
und damit schuf die Schätze hinein
Die Hölle gab den Schwefel dazu
auch das Uran in sichere Ruh
doch die Menschen lockt das brisante Gestein
zu versetzen ihre Artgenossen in Angst
und Pein
wenn sie er verwandeln in Dynamit und Atom
seit langer Zeit schaffen sie damit schon
sehr große Werke, sprengen in Felsen
hinein
die Trassen für Straßen, doch
bauen auch Bunker ins Gestein
treiben Schiffe und Kraftwerke, machen
Kranke gesund
vernichten ganze Völker, bomben ihre
Mutter Erde wund
versenken den strahlenden Müll im
Meer
das doch die Menschen nährt, wenn
die Bäuche leer.
So ist es mit den Schätzen, sie sind
Segen und Fluch
bekommt die Menschheit im Leben davon
je genug?
gibt man den kleinen FInger, wollen sie
die ganze Hand
Verhüte Gott, daß einst unsere
ganze Erde zerstört und verbrannt.
Doch zurück zum Wein, der im Schiefer
reift
man gerne heute nach dem Glase greift
indem er perlend und funkelnd uns strahlet
an
Gesundheit und Prosit der Frau und dem
Mann!
05.11.1983
|