Heinz Schütz sen.
19.02.1932 - 29.01.2004
Der Moselschiefer

Der Schiefer prägt unsere Heimat und spendet Leben
wenn im Steilhang er verwittert und nährt die Rieslingreben
er ist entstanden vor Millionen Jahren
als die Weiten der Ozeane hier verbreitet waren

deren riesigen Wogen schufen Täler und Berge
darinnen vielfältiges Leben, ob Riesen, ob Zwerge
die Arten der Fische, der Echsen der Lurchen
die das Wasser durchschwammen, den Schlamm durchfurchten

Ob Schildkröten, ob Seesterne, hier konnten sie leben
im Sturmgebraus, oder wenn die See tat beben
mit Urgewalt und mächtigem Tosen
es ist alles vorbei, es ist abgeflossen

Heute leben wir Menschen im Schieferhang
der schroff und steil, daß vielen Angst und bang
wenn sie von den Höhen schauen weit ins Tal
über schroffe Felsenhänge, scharf und schmal

Der Schiefer prägt unsere Landschaft und deren Gesicht
er ist zusammengepreßt unter Millionen Tonnen Gewicht
verwittert im äußeren Teil am Hang
von SOnne und Regen zermürbt, schafft er neue Erde Jahrhundertelang

Doch in der Tiefe der Berge, weit hinaus im Tal
hat er feste Strukturen, bietet er sich an
den Menschen zum Bauen von Häusern aus Stein
die hoch Hinaufragen, stolz und fein

Zum Decken der Dächer wird er aus dem Berg befreit
und kunstvoll behauen seit uralter Zeit
er ist voller Geheimnisse, gibt sie uns jedoch preis
wenn er wird gespallten unter Bächen von Schweiß

von kunstvollen Händen, von kennenden Augen
die in der Vergangenheit lesen und der Wissenschaft taugen
denn darin ist versteinert so vielfältiges Leben
das aus der Geschichte uns kann reichhaltige Auskunft geben

Siler und Gold schlummern im Schiefergestein
auf den südlichen Hängen wächst köstlicher Wein
der jahrtausende lang die Menschen erfreut
ein maßvoller Genuß hat niemals gereut

Der Schiefer enthält Eisen, Kupfer und Gold
seit der fernen Zeiten, als die Urmacht gegrollt
die Landschaft verwandelte aus Meer zu Stein
und damit schuf die Schätze hinein

Die Hölle gab den Schwefel dazu
auch das Uran in sichere Ruh
doch die Menschen lockt das brisante Gestein
zu versetzen ihre Artgenossen in Angst und Pein

wenn sie er verwandeln in Dynamit und Atom
seit langer Zeit schaffen sie damit schon
sehr große Werke, sprengen in Felsen hinein
die Trassen für Straßen, doch bauen auch Bunker ins Gestein

treiben Schiffe und Kraftwerke, machen Kranke gesund
vernichten ganze Völker, bomben ihre Mutter Erde wund
versenken den strahlenden Müll im Meer
das doch die Menschen nährt, wenn die Bäuche leer.

So ist es mit den Schätzen, sie sind Segen und Fluch
bekommt die Menschheit im Leben davon je genug?
gibt man den kleinen FInger, wollen sie die ganze Hand
Verhüte Gott, daß einst unsere ganze Erde zerstört und verbrannt.

Doch zurück zum Wein, der im Schiefer reift
man gerne heute nach dem Glase greift
indem er perlend und funkelnd uns strahlet an
Gesundheit und Prosit der Frau und dem Mann!

05.11.1983
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© by Emil Niehusmann Mar. 2006