Heinz Schütz sen.
19.02.1932 - 29.01.2004
Der März

Im März schirrt der Bauer die Rösser geschwind
auch wenn es heute Traktoren sind
die mit großen Pflügen ihre Bahnen ziehn
über vile Hektar ohne große Mühn

nur wenigen Leuten ist die Arbeit beschert
die früher ein ganzes Dorf ernährt
als Pferd und Ochse, sowie des Winzers Kuh
sowie der Fuhrleute Flüche störten der Auen Ruh

eine mühsame Arbeit, doch sie ernährte ihren Mann
sehr früh am Morgen das Tagwerk begann
mit dem Füttern der Tiere, und misten den Stall
geschäftiges Treiben überall

eine jede Hand hatte auf dem Hof zu tun
es gab wenig Zeit sich auszuruhn
doch wenn jeder half, ob jung und alt
blieb im Winter nicht der Ofen kalt

es wurde gemolken, nachdem der Hahn kräht
die Hühner gefüttert, das Futter gemäht
das den Tieren Kraft gab für den Tag
den Hafer das Pferd ganz besonders mag

der volle Trog im Schweinestall
bringt frohes grunzen überall
mit gedämpften Kartoffeln und Kleie verrührt
wird ihre Kraft zum Wachsen geschürt

damit sie beim Schlachten voll Fleisch und Speck
heut schneidet man diese edlen Stücke weg
wenn gesund er gewachsen ohn künstlich Futter
schmeckt er auch heut noch Vater und Mutter

so wurde im Haus alles selber erzeugt
die Milch von der Kuh, Die Butter von heut
die Eier im Nest gaben Kraft dem Mann
wenn er am Morgen das Tagwerk begann

dazwischen am Tag ein Stück vom Speck
gab neue Kraft, die Ermüdung war weg
dazu ein kerniges Roggenbrot
vonn Lebenskraft, voll Korn und Schrot

die Sauermilch an heißen Tagen
erfreute Geist , sowie den Magen
aus dem Garten der Apfel, sowie die Beeren süß
natülich gezogen Salat und Gemüs

Des Abends Pellkartoffeln mit Hering verschönt
mit Leber- und Blutwurst wurde man verwöhnt
mit Speckgrieben, mit Mehlnetz und Mehldipp
nahm auch des Abends man gerne vorlieb

die Kartoffeln, die wurden auf dem Felde gepflanzt
auch wenn die Wildsau in den Reihen getanzt
die Rünkelrüben, der Hafer, das Korn
sie waren in der Reihenfolge der Pflanzung vorn

es kam auch zum Essen der Wein auf den Tisch
am Freitag gabs Eier, oder frischen Fisch
aus dem Fluß, aus dem Teich, oder aus dem Bach
wo die Forelle sprang, bergauf sehr wach,

Der Bach war noch nicht vom Abwasser verschmutzt
es wurde auf dem Hofe alles genutzt
die Wäsche wurde lange eingeweicht
und später auf der Wiese weiß gebleicht

etwas abseits stand ein kleines Haus
aus dem Herz in der Tür schauten Menschen hinaus
die sich befreiten vom inneren Drang
die Entsorgung geregelt ganz ohne Zwang

es wurde zu Dung für Weinberg und Feld
mit den Exkrementen der Kiere kostete es kein Geld
 brachte Stickstoff und Humus in den Berg hinein
sorgte mit dafür, für einen guten Wein

der durchgegoren im Keller lag
ohne lästige Süße, ein Genuß für den Tag
auch an des Abends frohen Stunden
ließ man ihn oft und gern sich munden

Doch bei der Arbeit gab es den Haustrank nur
im steielen Berg, oder Wald und Flur
wenn er war sauber zubereitet
hat erfrischend das Tagwerk er begleitet

Vom Erlös des Weines bestritt man zum Leben
was Weinberg und Felder nicht konnten geben
was Handwerker brauchaten für ihrer Arbeit Lohn
die oft Künstler waren damals schon

wenn sie in die Balken der Häuser schnitzten
oder in der Schmiede am heißen Feuer schwitzten
dort selbst das Eisen kunstvol bogen
deren Arbeit Kenner heut noch loben

die Figuren meißelten aus hartem Stein
übern Kellereingang zum edlen Wein
die Steine brachten zum Häuser bauen
wo stolz noch heut empor wir schauen

die Schiefer brachen, weit draußen im Tal
um Dächer zu decken überall
wo repräsentative Bauten erstellt
sie waren berühmt in der ganzen Welt

er wurde Leder gegerbt und Lohe geschält
die Rodheck gehackt, das Scheffelland bestellt
die Holzküfer schufen kunstvolle Fässer
die Mühlen klapperten an den Gewässern

es gab Arbeit für jeden, voll Kunst und Geist
Geräte erfunden, als Gebrauchsgüter meist
die Arbeit war hart, das Essen deftig
kein dicker Bauch, die Muskeln kräftig

Die Arbeit draußen tat dem Körper gut
der Cholesterinspiegel war in Ordnung im Blut
der Herzinfarkt, weitgehend unbekannt
die Zuckerkrankheit gabs nicht auf dem Land

der trockene Wein schmeckte jedem gut
hielt jung den Körper, gesund das Blut
zum Verdauen, einen Trester oder Hefebrand
ein hartes, doch gesundes Leben auf dem Land

Jetzt zieht der Schlepper seine breite Spur
die Arbeit, die macht die Hydraulik nur
aus dem Stall wruden Gästezimmer gebaut
statt Rindvieh, nicht immer ien Gast daraus schaut

Doch im August und September, wenn die Trauen reifen
im Oktober, wenn wir zur Leese danach greifen
dann sind die Zimmer bis zum Speicher besetzt
wenn Bauer und WInzer von der Ernte gehetzt

Doch im Sommer sie viele tausend Meilen
wie die Zugvögel nach den Süden eilen
vier Monate im Jahr die Betten belegt
die Vermieter nun die Hypothek sehr quält

Die Gewerkschaften wollen 35 Stunden Wochen
die Erzeuger sollen immer mehr malochen
damit ihr Produkt recht billig bleibt
doch die Bürokratie der EWG die Preise hochtreibt

die Politiker entschwebt, fern aller Realität
sie denken zuerst an ihre eigene Diät
die in astronomische Höhen längst entschwunden
zu des Erzeugers vielen harten Stunden

die zehnfache Fläche braucht man heute schon
damit man erhält den früheren Lohn
der übrig bleibt, wenn alles bezahlt
was zur Arbeit im Glanze der Technik erstrahlt

nach 10 Jahren sind die Maschinen verschlissen
die wir alle heute noch nicht mögen missen
deren Knecht wir geworden, die Welt scheint verkehrt
uns wurde es früher ganz anders gelehrt

die uns treiben und hetzen, wars so gedacht?
als die Neuzeit sie zu uns gebracht
sie sollten uns doch das Leben verschönen
man kann sich nur schwer daran gewöhnen

daß der Mensch zum Sklaven der Maschine wird
eine Perversion der Technik, die die SInne verwirrt
Computer und Atome beherrschen uns heut
wir sollten sie zügeln, daß es uns später nicht reut

Viele Menschen mußten weichen in unserem Ort
sie gingen zur Arbeit in die Fremde fort
weil die eingene Scholle sie nicht ernährt
ihre Arbeitskraft wurde draußen begehrt

ein blindes Glauben an Wachstum nur
verlacht die Menschen in freier Natur
die der Heimat treu verbunden 
und oft sich haben arg geschunden

um Land zu kaufen, und größer zu bauen
damit ihre Kinder fröhlicher schauen
in ihre Zukunft hier im Tal
wenn auch ihr Einkommen oft war schmal

denn die Industrie hatte absoluten Vorrang im Land
es wurde gebaut auf Wiesen auf Sand
der Konsum, der wurde angeheizt
mit Werbesprüchen nicht gegeizt

jetzt kommt das böse Erwachen mit Macht
in vielen Städten wird es Nacht
wenn in den Hallen die Lichter gehn aus
man lebte zu leicht in Saus und Braus

Dochzurück zur Natur, im Märzen geschwind
über die Winterstoppeln weht der Wind
der scharf, damit der Boden bereit
zum pflügen und säen in der frühen Zeit

des Märzen, wenn der Bauer angespannt
siene Dieselpferde fahren übers Land
wenn der Winzer seine Weinberge schneidet und düngt
damit ein köstlicher Wein im Herbst gelingt

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© by Emil Niehusmann Feb. 2006