Heinz Schütz sen.
19.02.1932 - 29.01.2004
Der Juni

Im Juni wir gutes Wetter erhoffen
damit die Trauben blühen in den Bergen, den schroffen
damit der Schiefer heiß von Sonnenstrahlen
die Wärme speichert, die Eidechsen sich aalen

in den Ritzen der Felsen sind sie zu Haus
und lugen mit wachen Äuglein hinaus
sie blinzeln in der Sonne und huschen zurück
in die Schatten der Felsen zu ihrem kleinen Glück

sehr possierleiche Tierchen aus prähistorischer Zeit
sind sie doch stets und gern bereit
die Menschen zu erfreuen mit dem flinken Spiel
ihere Zuge, die fängt auch Fliegen viel

sehr nützlich und possierlich sie anzuschauen
sie können dem Menschen meist vertrauen
der nicht Ihr Feind, sondern ihr Begleiter ist
im heißen, steilen Weinberg gewiß

der dort seine Reben leibevoll bindet
daß sie sich hoch zum Licht hin windet
sie holt ihre Kraft aus tiefen Spalten
wo das Wasser speicherhaft gehalten

der verwitterte Schiefer bringt neues Leben
in den steilen Hang für hungrige Reben
enthält Mineralien von tausenden von Jahren
als die Eidechsen in unser Land herkamen

Mensch und Reben an den Fels sich krallen
die Arbeit kann trotzdem gefallen
wenn eine reiche Ernte uns beschert
von Rieslingwein, der sehr begehrt

von Kennern hier und in aller Welt
den Genießer er besonders gefällt
wenn er gereift in steilen Hang
bewährt schon 2000 Jahre lang

doch diese Arbeit hat ihren Preis
im Juni, wenn die Sonne heiß
in diesen steilen Hang einstrahlt
mit berechtigtem Stolz der Winzer prahlt

wenn er den Wein einst wird verkosten
und denkt an diese hohen Kosten
die Müh und Arbeit ihm beschert
bis daß der Wein auch wird begehrt

es weiß nur der in voll zu genießen
der einmal half mit wunden Füßen
die Arbeit zu verrichten in steieln Hang
tagaus - tagein, ein Leben lang

denn gespritzt werden die Wienberge in den Sommertagen
wenn Schimmel und Penospora die WInzer plagen
und außerdem muß man die Weinberge spritzen
um die Ernte vor Ungeziefer zu schützen

früher quälte man sich mit Buckelspritze
später waren Schlauch und Moto dazu nütze 
und heut fliegt der Hubschrauber mit lautem Gebrumm
kurz über den Rebstöcken im Weinberg herum

er erspart uns Strapazen, die unmenschlich schwer
in den frühen Morgenstunden fliegt er einher
was vielen Menschen nicht angenehm
die von unserer Arbeit nichts verstehn

oft zugezogen führen sie das große Wort
meist im Schoße des Staates, im sicheren Hort
der Versorgung für heute und später geschützt
den WInzer dies doch gar nichts nützt

die schon leiden unter den Launen der schroffen Natur
wenn ein Unwetter wegschwemmt Rebstock und Flur
wenn die Blüte verregnet, und die Ernte halbiert
Vater Staat darüber kein Wort verliert

Die Politiker machen ein paar große Worte
dasselbe hier, wie an jedem Orte
doch Hilfe wird uns nicht gegeben
auch der Steilhangwinzer will überleben!

denn dort wächst der wahre, köstliche Wein
der als Riesling ist ein Edelstein
wenn er wie ein Rubin im Glase funkelt
und man in froher Runde schunkelt

wenn wie in einem Brillianten bricht das Licht
der Riesling ist das schönste Gedicht
daß die Natur uns je beschert
wie Türkiese und Diamanten hoch begehrt

Im Herrenberg wächst so ein Edelstein
so durftig, funkelnd, fruchtig und fein
von hier aus schaut man weit über die Mosel hinaus
zum Festungsberg, der früher ein Graus

ein schicksalhafter Berg der Mont - Royal
bekannt ist er doch überall
Ludwig der 14. hat dort unsere VOrfahren geknechtet
sie waren alle völlig entrechtet

sie bauten die Festung, und darbten dabei
doch später sprengte mansie wieder entzwei
so rächt sich vieles doch auf Erden
wenn die Menschen zuviel geschunden werden

Heut wird viel Wein dort abgefüllt
der Genuß und Durst der Deutschen stillt
doch der Moselwein bleibt liegen im Keller
Nordafrikas Weine sind dort der Bestseller

Im Segelflugzeug fliegt man heute über die Berge
die Menschen in Tale sind nur noch Zwerge
dort drunten auf dem Wasser die Schiffe ziehn
die Frachtkähne sich gegen die Strömung mühn

jedoch auch Motor- und Segelboote
geben der Mosel heite ihre eigene Note
eine Handbreit Wasser unter dem Kiel
nicht zu wenig, nicht zu viel

dazu ein Mädel froh im Arm
macht dem Skipper das Herze warm
bachboed am Ufer ein stiller Ort
steuert er sein Boot hin fort

zu nutzen dort die Gunst der Stunde
zu beatmen sie von Mund zu Munde
dies ist der schönste Wassersport
ausüben kann man ihn an jedem Ort.

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© by Emil Niehusmann Feb. 2006