Heinz Schütz sen.
19.02.1932 - 29.01.2004
Der Juli

Der Juli ist als Ferienmonat bekannt
in unserem deutschen Vaterland
doch auch die Nachbarn in den westlichen Landen
ihre Termine zeitgleich mit uns halten

das Chaos ist so vorprogrammiert
denn was auf den Straßen oft passiert
erinnert mich an eine große Schlacht
wenn viel Material zusammenkracht

Win jeder will der erste sein
in den sonnigen Süden, oder an den Rhein
auch an den schönen Moselstrand
gar mancher seine zweite Heimant fand

es wird gerast, es wird geflitzt
eine kleine Lücke ausstibitzt
wenn ein Lindwurm aus Blech unendlich lang
den Vater in die Knie zwang

wenn er schon Stunden sitzt am Steuer
den Kindern ist es nicht geheuer
sie quängeln, streiten, wollen raus
aus dem engen Rücksitz, der ein Graus

wenn Koffer und Taschen sie noch beengen
dazwischen sie sich mußten zwängen
das Dachgepäck im Winde flattert
der Motor säuft ab, der Auspuff knattert

ein neuer müßte eigentlich her
doch die Urlaubskasse ist nicht so schwer
daß man sie damit noch belasten sollen
denn ans ferne frene Meer sie wollen

In Deuztschland bleiben, Ihr lieben Leute
ich bitte Euch, wer tut denn dies noch heute
man muß den Nachbarn doch imponieren
eine fremde Kultur wollen wir studieren

Die Mutter muß ans Steuer nun
die sonst kaum fährt, was will sie tun?
den Wagen bis zum Dach beladen
werden sie von der Sonne fast gebraten

in langer Schlange, fast im Schritt
schwimmt sie in der großen Menge mit
und kommt sie endlich dann zum Ziel
haben sie erlebt bereits schon viel

Am Alpenpaß, der Motor heiß
die Mutter wird vor Schreck ganz wiß
der Nachbar leiht einen Keilriemen aus
und wechselt ihn geschickt schnell aus

der Zll wills wissen heut genau
er flucht der Papa, stöhnt die Frau
als alle Koffer sind durchwühlt
in jedes Teil hineingefühlt

die Kinder murren, sind gereizt
der Papa mit Süßigkeiten geizt
sie haben Durst, bekommen Wein
danach schlafen sie von selber ein

sie geben Ruhe bis zum Ziel
zwanzig Stunden sind doch etwas viel
erschöpft und erschlagen sinken sie nieder
und strecken aus die müden Glieder

Auf der Straße in den Orient
ist noch harmlos dies, denn wer sie kennt
der weiß von gruselligen Geschichten
wenn er gut heimkommt zu berichten

ein riesiger Gastarbeitertreck
mit Bergen von Geräten als Gepäck
mit Autos voll von ganzen Sippen
und verwgen Grinsen auf den Lippen

so fahren sie nach Istanbul
über Deutschlands Straßen, durchs schöne Tirol
der Weg ist weit voller Abendteuer
am Wegrand lauert manch Ungeheuer

jedoch in menschlicher Gestalt
wenn aus dem Gebüsch ein Gewehrschuß knallt
dann gib kräftig Gas und schnell hinweg
sonst ist das Geld und das Leben weg

Wie schön ists doch im Land zu bleiben
den Urlaub hier sich zu vertreiben
an dem Ostsee- oder dem Nordseestrand
ganz besonders im herrlichen Moselland

im Haarz, am Bodenseem oder im Sauerland
in Bayern, oder im herben Westerwald
im Hunsrück, der Eifel, oder dem Pfälzerwald
und immer wieder am Moselstrand

am schönen Rhein, im Odenwald
gar mancher schon sein Glück dort fand
in Österreich und in Tirol
fühlen wir uns ebenfalls sehr wohl

nach Belgien und Holland fahren wir sehr gern
die auch zu uns nicht haben fern
auch Frankreich ist ein schönes Ziel
sie kommen leider wenig zu uns hier hin

auch in den Städten an der Ruhr
hat man begrühnt die mißhandelte Natur
zu den deutschen Bädern, den heilsamen Quellen
kann man den Urlaubsplan erstellen

selbst auf Balkonien fühlt man sich sehr wohl
in den Schrebergärten, die ganz schön voll
jedoch der Winzer muß noch passen
ein Weinberg hat ihm noch keine Zeit gelassen

er pflügt und hackt, er spritzt und düngt
er bindet auf, freut sich beschwingt
denn seine Zeit wird auch noch kommen
für seine Gäste hat er sich Zeit genommen

denn nicht nur aus Arbeit besteht das Leben
daß im wesentlichen doch ist Geben und Nehmen
drum erhebt die Gläser und schenkt ein
einen herrlichen, perlenden, funkelnden Wein

In Weinlanden wird am meisten Qualitätswein getrunken
man hebt das Glas und prüft, ohne die Nase zu tunken
man schlürft und genießt ihn und freut sich des Lebens
wenn man dies noch kann, lebt man nicht vergebens

wir wollen ihn genießen und er wird uns erfreuen
und am nächsten Tag gewiß nicht reuen
drum kehret ein, seid unser Gast
zum Moselurlaub der jedem paßt

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© by Emil Niehusmann Feb. 2006